Donau Straubing (km 2320) bis Vilshofen (km 2249)

  • Datum: 30. Mai 2021
  • Distanz: 72 km
  • Schleusen: 0
  • Motorstunden: 5:15
  • Fahrtzeit: 5:15
  • Geschwindigkeit Ø: 13,7 km/h
Buchempfehlung: Diesen Donauführer habe ich für die Planung benutzt

Das leichte Rauschen des am Rumpf vorbeiströmenden Wassers mischt sich beinahe übergangslos mit der Geräuschkulisse des Berufsverkehrs. Zum zweiten Mal öffne ich meine Augen hier an diesem Ort, es ist bereits hell. Durch das Fenster ist die Brücke der Hauptstraße zu erkennen, dahinter der Umriss dieser tollen Stadt. Hier könnte man es länger aushalten, die alten Bauwerke, pulsierendes Leben in den Parks, idyllische Fahrradwege und ein Anleger zwischen all dem. Aber es ist an der Zeit weiterzufahren, denn wer weiß schon, was wir hinter der nächsten Donauwindung finden werden.

Ich schiebe die Bettdecke zur Seite und setze mich auf, es ist sehr kühl im Boot, wie jeden Morgen. Ich stehe auf, öffne die Ventile und schuhlöffle mich rückwärts aufs Seewasser-WC. Wer Luxus in Badezimmern sucht ist auf einem kleinen Boot falsch. Nicht nur, dass Klopapier separat gesammelt und entsorgt werden muss, nein, man kann seinem Werk nach getaner Arbeit auch noch hinterherschauen, während man es mittels Handpumpe aus der Schüssel spült.

Dann geht alles ganz routiniert, Wasser kochen, Wetter checken, Tee aufbrühen, Frühstück machen und mögliche Tagesetappen abwägen. Abräumen, Motor kontrollieren, Abspülen, Systeme checken, Zähne putzen. Motor vorglühen und anwerfen, Bilge checken, Seeventile schließen, für Ordnung an Bord sorgen, in die Leinen eindampfen und selbige schließlich loswerfen. Um die Kurve, die Strömung hinab und der Blick zurück über die Schulter.

Auf Wiedersehen Straubing, vielen Dank für deine Gastfreundschaft.

Im Logbuch notiere ich Abfahrt: 9:26 Uhr – alle Systeme gecheckt und in Ordnung. Heute haben wir keine Schleusen vor uns und die Strömung bringt uns rasch voran. Neun Kilometer macht das Boot bei Marschfahrt jede Stunde durchs Wasser. Gerade fahren wir 14-15 km/h über Grund, das heißt gut 5 km/h Strömung und somit gute zwei Stunden bis Deggendorf. Die Ankunftszeiten sind auf Flüssen fast auf die Minute genau zu berechnen, schließlich gibt es weder Stau noch Ampeln.

Kurz nach Mittag haben wir allerdings etwas mehr als fünf Stunden auf dem Motorstundenzähler. Warum ist schwer zu sagen, die Fahrt wahr herrlich und bei Deggendorf war mir noch nicht nach anlegen. Es flutschte zu gut, das Vesper an Bord schmeckte und die Etappe wurde eben etwas länger als geplant.

Wieder notiere ich im Logbuch: 14:40 Ankunft -Vilshofen. Zwischen Abfahrt und Ankunft steht heute nicht sehr viel, ein paar Strömungsgeschwindigkeiten und eine Skizze von einem Schwan. Es gab nichts Aufschreibenswertes und doch war es eine meiner schönsten Fahrten bisher – trotz fehlender „besonderer Vorkommnisse“.

Einchecken beim Hafenmeister, Fahrradtour in die Stadt. Lange Zeit blicken wir den Sportfliegern hinterher, die neben dem Hafen starten und landen. Einkaufen müssen wir nichts, der Bauch des Bootes ist noch gut mit Lebensmitteln gefüllt. Ein kleiner Spaziergang am Ufer.

Gegen 19:00 Uhr brutzelt Reis und Gemüse in der Pfanne während eine Schwanenfamilie das Boot umkreist. Karte und Notizen der geplanten Route werden jeden Abend erneut studiert, obwohl ich sie eigentlich schon auswendig kenne. Ich gönne mir ein Bier, das zweite auf dieser Reise und verbringe den Abend damit den Blick über den Hafen schweifen zu lassen. Gegen 23:00 Uhr lösche ich die Lichter und gehe in die Koje, bevor ein paar Stunden später alles von vorne beginnt.

Es ist verrückt, denn jeder Tag läuft annähernd gleich ab und dennoch ist keiner wie der andere. Die Tätigkeiten sind gleich, doch die Eindrücke, Erlebnisse, Begegnungen und Gespräche, die Szenerie und nicht zuletzt der Strich auf der Karte machen jeden dieser Tage unverkennbar und einzigartig. Jeder einzelne ist eine kostbare Erinnerung gesammelt im Setzkasten meines Lebens.

Bis bald und eine gute Nacht.

Marcel Friedmann

– Der Wasserwanderer –

Wenn das was du machst keinen Spaß macht,

dann machst du es falsch.

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4 Antworten

  1. Ein interessantes Unternehmen mit deiner „Feschperboggs“ finde ich gut.
    Kommst du aus dem Schwäbisch-Alemannischen – Sprachraum ?
    Hast du auch den SKS Schein ?
    Wünsche viel Spaß und Erfolg.
    Grüße von Andreas

    1. Hallo Andreas,
      ich komme aus Mittelfranken und habe den Namen daher etwas an diesen Dialekt angelehnt. Ich habe die SKS Ausbildung absolviert aber nie eine Prüfung angetreten, da es mit Meilen auf eigenem Kiel so eine Grauzone ist und ich nicht genügend „FremdSkipperMeilen“ als Nachweis habe. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht so hinterher bin, da ich den SKS auch nicht benötige.
      Liebe Grüße von unserem vorübergehenden Lager auf der Insel Rügen
      Wir sehen uns auf dem Wasser,
      Marcel

  2. Das wäre ja lustig, wenn wir uns auf dem Wasser begegnen würden,
    Um und auf Rügen war ich auch schon unterwegs. Wo genau treibst dich rum?
    Ich wohne direkt an der Donau, an der jungen Donau in Pfohren, erstes Dorf nach dem Zusammenfluß bei Donaueschingen von Brigach und Breg.
    Ich bin ein Kind der Donau, in Geisingen geboren Wehrdienst in Leipheim. Donauwört kenne ich auch.
    Mit dem Fahrrad bin ich auch von Zuhause bis Budapest gefahren .
    Wenn du magst kannst ja mal wieder schreiben.
    Güße von Andreas

    1. Hallo Andreas, das klingt ja spannend, wir waren schon ab Hausen auf der jungen Donau zum paddeln, vielleicht ergib sich mal eine Tour davor an deiner Haustür vorbei 🙂 BudaPest werden wir auch dieses Jahr noch erreichen, da freue ich mich sehr drauf, ist eine grandiose Stadt. Und in Rügen sind wir aktuell 🙂 Ein bisschen hier und da und überall aber die Basis ist in Lauterbach. Wir können sehr gerne in Kontakt bleiben, wenn man offen dafür ist, ergibt sich immer mal was.
      Wir sehen uns auf dem Wasser,
      Liebe Grüße Marcel

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