Donau Logbuch V – Jeden Tag ein erstes Mal

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Wir sind unterwegs! Mit unserer LM26 “Feschberboggs” wollen wir die Donau hinab durch alle 10 Länder bis ins Schwarze Meer fahren. In unserem Multimedia-Donau-Logbuch halten wir die ganze Reise für dich fest.

Main-Donau-Kanal – Schleuse Riedenburg

Ich keuche wie ein alter Mann. Ungefähr acht oder neun mal bin ich jetzt zwischen meinem Boot und dem roten Buzzer hin und her gerannt. Noch dazu wird der Weg über die vom Kanalwasser glitschige Leiter jedes mal ein gutes Stück länger.

Ja, wir haben die Freuden und Vorteile der Sportbootschleusen für uns entdeckt. Vor nicht allzu kurzer Zeit hatte ich nach 20 minütiger Fahrt durch Riedenburg Kontakt mit dem Wärter der Schleuse aufgenommen, um eine Fahrt ins Unterwasser anzufragen. Der freundliche Angestellte teilte mir mit, dass wir problemlos mit dem nächsten Frachter schleusen könnten, dieser aber noch zirka 45 Minuten auf sich warten ließe. Weiterhin wurde mir verraten, ich könnte die Sportbootschleuse nutzen, um die Wartezeit zu verhindern. Diese sehr viel kleinere Schleuse könne man selbst bedienen und sie sei mit 1,5 Metern Tiefe mehr als ausreichend für unser Boot. Aha. „Na gut, dann probieren wir das.“ verkündete ich gut gelaunt und beende das Funkgespräch dankend.

Diese ersten Male hören wohl nie auf. Gerade wenn man denkt, dass einem alle Manöver gut von der Hand gehen kommt wieder etwas dazu. Eine Bootsschleuse habe ich noch nie benutzt und auch die Bedienung einer solchen ist mir völlig fremd. Kann ja wohl nicht so schwer sein, denke ich und lege am Betonsteg im Oberwasser an. Schon vom Anleger aus kann man den großen Schaltschrank mit einigen Bedienelementen sehen. Dort angekommen lege ich nach mehrfachen studieren der Anleitung den Hebel auf Bergfahrt und drücke den riesigen Knopf um die Schleusenkammer ins Oberwasser zu holen. Es kreischt und quietscht und die Tore beginnen sich zu schließen. Kurze Zeit später strömt das Wasser in die 4×20 Meter große Kammer und unser Weg in die Schleuse ist frei.

Zurück am Boot starte ich den Motor, nehme die Leine von der Klampe und fahre langsam und vorsichtig in die Schleuse ein. Die Möglichkeiten zum Festmachen sind relativ überschaubar und nach dem eigentlichen Anleger entscheide ich mich spontan für einen Poller an Backbord und nicht wie geplant an Steuerbord. Dieser liegt mittiger in der Schleuse und ist auf Grund der geringen Kammergröße auch nur einen Leinenwurf entfernt. Etwas später werde ich feststellen müssen, dass diese Entscheidung nicht zu den Besten meiner Reise gehören sollte. 🙂

Ich steige vom Boot und schaue mich um, ist ja wie ein Labyrinth hier, Geländer, Gatter, Brücken und Absperrungen. Der Schaltkasten zur Steuerung steht jetzt natürlich auf der anderen Seite, stelle ich fest und mache mich auf den Weg.

Hebel wieder auf Talfahrt, roten Knopf drücken und ein paar Minuten später schließt sich das Tor mit einem „Klongg“!

Jetzt muss ich nur noch die Talfahrt, also das Ausströmen des Wassers auslösen und rechtzeitig zurück auf dem Boot sein um die Leinen auf die tieferen Poller umzulegen.

Auf die Plätze…

Fertig…

Los!! – Ich drücke auf den Knopf, sprinte zur Brücke, quetsch mich am Gatter vorbei, überquere den Gittersteg, laufe die Länge der Kammer entlang und steige aufs Boot über, GESCHAFFT!!! Der Wasserstand sinkt, ich lege die Leine über den tieferen schlammverschmierten Poller und nehme sie vom oberen runter. Super, das Wasser fließt sehr langsam ab und somit habe ich keinen Stress.

Buchempfehlung:

Ungefähr fünf Minuten später haben wir 50 Zentimeter geschafft… Okay, das ist ziemlich langsam. „Geht es überhaupt noch runter??“, frage ich die Schleusenwand neben mir und schaue mich um. Eindeutig nicht.

Auch 2 weitere Minuten später ist nichts passiert. Ok, man muss wohl noch einmal drauf drücken, also die 50 Zentimeter über zwei Sprossen nach oben, die Länge der Kammer entlang, über den Gittersteg, am Gatter vorbei gequetscht, über die Brücke und die Endgerade zum Schaltschrank.

Knopf drücken, zur Brücke, drüber, am Gatter vorbei – Bauch einziehen – über das Gitter, 15m zum Boot, drei Sprossen runter und nur wenige Minuten später kommt auch schon die fünfte Leiterstufe knapp unter der Waseroberfläche zum Vorschein. Weiter runter geht es trotzdem nicht, der Knopf müsste scheinbar gedrückt gehalten werden. Na dann, ein Meter geschafft, noch sieben weitere liegen vor uns. Sprossen hoch, hinter, drüber, durch, drunter und rüber und wieder auf den Buzzer geklopft, nüber, vorbei, drauf, vor und runter und schon bekommen wir acht Sprossen zu sehen.

hoch, hinter,… naja ihr wisst was kommt, dieses Spiel wiederholt sich nun noch weitere sieben bis acht mal. Interessante Nebeninformation, die Bedienkiste steht direkt über der Leiter, an der ich zuerst anlegen wollte…

Rauf, runter, rauf, runter, nicht ausrutschen und die Leiter wird immer höher. Hoch, runter, drüber, drunter, hin und her, immer weiter und siehe da!

Schon sind die 8,4 Meter Leiter komplett zu sehen. Das Tor vor uns geht auf und -zack- schon ist die Schleusung erfolgreich beendet. Wahnsinn.

Wir werfen die Leinen los und gleiten hinaus ins Tageslicht. Zwanzig Meter später müssen wir jedoch aufstoppen, weil ein Frachter aus der großen Schleusenkammer neben uns kommt.

Richtig, der Frachter, auf den wir 45 Minuten hätten warten müssen…

Bis zur zweiten und letzten Sportbootschleuse unserer Reise sind es knapp zwei Stunden Fahrt. Dank Assistentin, die den Knopf bedient, werden wir diese zügig und ohne Leiter klettern hinter uns bringen. Mit Crew sind Sportbootschleusen eine wahre Freude, alleine schwimmt man besser doch als Pilotfisch bei den großen Schiffen mit.

Comments (4)

  • Christian Helmer 16. Juni 2021 at 16:27 Reply

    Danke! Made my day! Schleusen sind IMMER Abenteuer pur!

    Schon etwas länger her, aber trotzdem im Gedächtnis verblieben:

    10 Sportboote in der Kammer vorne, Frachter (Schwarzer im Jargon) fährt hinter uns ein. Es wird finster. Ich hänge am Kollegen. Natürlich kein Schwimmpoller. Der Kollege vergißt durch einen WICHTIGEN Anruf ( Telefonieren in der Schleuse ist ungefähr vergleichbar mit Scheibenputzen auf der Überholspur der Autobahn) das rechtzeitigen Umhängen bei der Talschleusung. Mir fällt das Bier aus der Hand, als die Schräglage schräg wird. Die Klampe klampt das Lied vom Tod. Messer! MESSER!!!! Die Leine wird radikal verkürzt. Die Fallhöhe geht grad noch… Nie wieder als Hilfloser nbenbei! Man lernt!
    Wenn du durch Linz kommst, gib Bescheid! Bier steht!

    Handbreit!!!

    • Marcel 16. Juni 2021 at 20:45 Reply

      Das ist ja der Wahnsinn! Toll, dass wir bei unserem Hobby immer gute Geschichten mit nach Hause bringen. Messer ist immer griffbereit am Gürtel aber ich würde es in der Panik wahrscheinlich gleich versenken. Schön, dass es gut ausgegangen ist. Ich melde mich auf jeden Fall, herzlichen Dank.
      Liebe Grüße und wir sehen uns auf dem Wasser!

  • Höllermann 16. Juni 2021 at 20:40 Reply

    Schleusen wird auch noch unser grosses Abenteuer wenn das boot mal grösser wird…

    Alles sehr toll geschrieben…bin gespannt auf eure weiteren Abenteuer

    • Marcel 16. Juni 2021 at 20:43 Reply

      Hallo, das stimmt, ist aber wirklich alles machbar, eben nur neu, eben ein Abenteuer. Wo seid ihr denn unterwegs oder was ist der Plan?
      Es freut mich sehr, dass dir das Format gefällt. Gespannt sind wir mindestens genauso aber es wird sicher großartig. Einen schönen Abend und hoffentlich bis bald.
      Wir sehen uns auf dem Wasser

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