Donau Logbuch I – Leinen Los!

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Main-Donau-Kanal Nürnberg-Eckersmühlen

  • Distanz: 30km
  • Schleusen: 4
  • Motorstunden: 4:02
  • Fahrtzeit: 5:46
  • Geschwindigkeit Ø: 5,2 km/h

Wir sind unterwegs! Nach über einem Jahr der Planung, Vorfreude, Zittern, Neuplanung, wieder Vorfreude war es endlich soweit und wir haben die Leinen mit Ziel Schwarzes Meer losgeworfen!

Dieses Gefühl war für mich unbeschreiblich! Vielen, denen ich von meinen Plänen erzählt habe, haben gezweifelt und Aussagen wie „Das haben schon viele gesagt und die liegen heute noch da“ oder „Du kommst eh nicht fort“ habe ich zuhauf gehört. Zuletzt war die Abreise tatsächlich ungewiss, da die Pandemie noch immer die Welt in Atem hielt.

Jetzt habe ich den letzten Kreuzschlag von der Klampe genommen und die blaue Leine rauscht durch den Ring am wackeligen Metallsteg. Wir sind unterwegs! Wie weit wir kommen spielt keine Rolle aber wir sind los, wir sind wirklich losgefahren! Diesen Moment kann uns keiner mehr nehmen.

An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an den 1.MYC Nürnberg für eure Gastfreundschaft und Kameradschaft während des letzten Jahres, ich weiß gar nicht wie oft ich bei euch angerufen habe, danke für eure Geduld.

Wirklich verstehen was wir da eben geschafft haben werde ich es erst später am Abend an der Schleuse Eckersmühlen können, denn in drei Kilometern steht schon das nächste Manöver an. An der Schleuse Nürnberg werden wir unsere erste Schleusung im Alleingang hinter uns bringen und 9,4m zu Berg also nach oben gehoben. Natürlich hat die Berufsschifffahrt absolute Priorität und so habe ich bereits vor Abfahrt das AIS geprüft, damit ich an der Schleuse nicht zu lange warten muss. Angemeldet habe ich mich natürlich trotzdem ca. 15 Minuten vor Ankunft per UKW Funk.

Vor dem Schleusen selbst hatte ich keine Sorgen, da ich in der Woche davor eine Testschleusung auf der Jonathan Basel absolviert habe und es keinerlei Probleme gab. Eine kleine Rest-Nervosität ist natürlich trotzdem da, aber alles läuft fantastisch, ich fühlte mich wie der König der Welt und als könnte uns nichts mehr aufhalten aber leider kam es doch anders…

Man hört ja des öfteren Horrorgeschichten von Schleusvorgängen bei denen das einströmende Wasser das Boot so stark von der Wand weg drückt, dass man es nicht mehr halten kann und das Boot unkontrolliert in der Schleusenkammer umhertreibt. Natürlich haben wir in der ersten Schleuse etwas Kraft gebraucht aber es war kein Problem, nicht einmal im geringsten.

Zirka eine Stunde später und wir laufen guter Dinge in die Schleuse Eibach ein. Hier geht es gleich mal satte 19,45 Meter nach oben. Auf der linken Seite gibt es einige Schwimmpoller aber weil mir das Anlegen auf der Steuerbordseite wesentlich leichter fällt entschließe ich mich rechts an die normalen Pollern zu gehen. Das Umlegen hat ja super geklappt und was sich bewährt hat, kann ja nicht falsch sein.

VON WEGEN! Kurz nach Beginn der Schleusung strömt das Wasser derart schnell in die Kammer, dass sich mein Boot komplett schräg stellt, die Wassermassen scheinen sich am Kiel zu fangen, die Klampe ächzt unter der Last wie verrückt und ich kann die Leine kaum halten. Außerdem steigt das Wasser ohne Unterlass, wie soll ich unter diesen Bedingungen mit der Leine zum nächsten Pollern? Ich lege die Leine um, doch das einströmende Nass schiebt uns nochmal 30 cm von der Wand weg, sodass ich den nächsten Pollern nicht erreichen werde. Das Boot stellt sich schräg und Mast und Anker scheuern an der Schleusenwand hinauf. „Scheiße“ entfährt es mir und ich greife nach der Funke „Sportboot Feschberboggs ist losgekommen!“ – das Wasser hört auf einzuströmen, wir ziehen uns zurück an die Wand. Erleichterung? Nein, in Schüben geht es weiter, aber es ist zu bewältigen. Endlose 15 Minuten später haben wir es geschafft und fahren aus der Kammer.

Doch die großen 3 liegen noch vor uns, Leerstetten, Eckersmühlen und Hilpoldstein sind mit je 24,67m Fallhöhe die drei größten Schleusen Deutschlands. Wir brauchen einen neuen Plan.

Angst vor dem Weiterfahren habe ich nicht, genervt oder angespannt bin ich auch nicht. Ich wusste, dass auf so einer Reise Schäden entstehen und etwas schief laufen wird. Mast und Anker haben leichte Kratzer, aber das ist nicht der Rede wert. Wir haben eine neue Erfahrung gemacht und können an ihr wachsen und daraus lernen. Gehen wir es an.

Das Wetter ist wechselhaft und von Zeit zu Zeit ziehen Regenschauer über uns hinweg. Wir gleiten mit 10 kmh den Kanal entlang. Langsam sind wir, aber es gibt eine Menge zu entdecken, vieles zu Denken und das gedämpfte Klackern des Motors ist beinahe meditativ.

Viel erwähnenswertes passiert während der restlichen Fahrt nicht. Wir bewältigen noch zwei der drei großen Schleusen. Am Schwimmpoller und mit drei Leinen von Bug-, Mittel- und Heckklampe ist die Last gut verteilt und trotz sehr hohen Druckes überstehen wir beide Fahrten unversehrt.

Im Oberwasser der Schleuse Eckersmühlen machen wir dann fest für die Nacht. Direkt am Rotsee gelegen bietet sich noch eine tolle Gelegenheit für eine Fahrrad-Ausfahrt, zu der wir auch noch Gesellschaft aus der Heimat bekommen. Am See ist eine tolle Skulptur, die ein geflügeltes Fahrrad zeigt. Ich fühle mich seltsam verbunden mit ihr und finde, dass sie sehr gut den heutigen Tag beschreibt.

In den kommenden Tagen werden uns noch öfter Freunde und Familie besuchen, schließlich ist es mit dem Auto ja nur ein Katzensprung. 30 Kilometer haben wir heute zurückgelegt, aber für mich ist es ein riesiger Meilenstein. Der Absprung ist geschafft – der Anfang ist gemacht, nur von was weiß ich noch nicht genau.



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